Coronavirus

06.03.2020

Post von Dr. Markus Falk vom 06.03.2020

Dass in Südtirol immer alles unter Kontrolle ist, obwohl das Gegenteil zutrifft, wäre nichts Neues. Dass aber am Montag Abend von oberster Stelle noch behauptet wurde, dass es in Südtirol keine endemische Zirkulation von SARS-COV-2 gibt, alle Fälle wären demnach nur importierte Fälle, zeugt vermutlich von absoluter Inkompetenz.

nur nicht durchdrehen

Dies wäre nicht so schlimm, hätte eine solche Fehleinschätzung keine Konsequenzen. Nun kommt es aber knüppeldick. Deutschland erklärt Südtirol zur roten Zone, da allein dort bisher 32 Südtirolurlauber positiv getestet wurden.

„Wieso gibt es in Deutschland keine zurückgekehrten Urlauber, die woanders waren und positiv getestet wurden?“, wird sich das RKI wohl gefragt haben, denn bei einer Ansteckungswahrscheinlichkeit von 30% und 32 „Versuchen“ liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es in Südtirol mindestens einen weiteren Fall gibt, bei knapp 100% und es ist somit fast sicher, dass es in Südtirol einen Infektionsherd, wenn nicht gar mehrere davon geben muss. Bereits mit 4 Fällen (Daten Montag), lag diese Wahrscheinlichkeit bei über 75%.

Schulen sind ein Sprachrohr. Anstatt sie zu schließen, hätte man über die Schule Verhaltensregeln kommunizieren und praktizieren können.

04.03.2020

Post von Dr. Markus Falk vom 03.03.2020

Nachdem sich bei vielen der erste Schrecken langsam legt, ist es an der Zeit sich vernünftig vorzubereiten und eine Vorstellung davon zu kriegen, was auf uns zu kommt.

Wie ich bereits einige Male schon ausgeführt habe, kann man die Welle, die auf uns zukommt, kaum stoppen. Man kann sie aber abflachen.

China hat hierfür den harten Weg gewählt und Italien macht es nach. Man sperrt also ganze Gebiete ab in der Hoffnung, dass man damit das Virus aufhalten oder gar stoppen kann. Die hierzu notwendigen drakonischen Maßnahmen sind aller Wahrscheinlichkeit nach nur bedingt wirksam – siehe das Beispiel der Diamond Prinzess – und ziehen immensen Schaden nach sich (Panik, Stigmatisierung und Stornierungen).

Eine Alternative besteht im Kontakt-Tracing. D.h. man verfolgt alle Kontakte und isoliert diese. Auf diese Art und Weise gelang es die Pocken auszurotten und man versucht selbiges derzeit bei Polio. Das Kontakt-Tracing ist eine etablierte Methode, normalerweise nur bei Einzelausbrüchen in Anwendung, sie funktioniert bei einer Pandemie aber genauso, sofern man es schafft Fälle und Kontakte zu isolieren.

Österreich und Deutschland machen vor wie dies geht. Anstelle 50.000 Einwohner einzuschließen wie in Italien, befinden sich in Österreich derzeit 350 Personen in Absonderung bei 18 Fällen, somit etwa 20 pro Fall.

Wie wirksam diese Maßnahme ist, zeigt die Grafik. In der oberen Zeile schafft man es nach 20 Generationen (5 Monate etwa), fast alle Fälle zu isolieren und somit die Ausbreitung einzudämmen.

Ist man jedoch nicht so schnell, dann zeigt die zweite Zeile, dass man die Wucht der Welle noch voll zu spüren kriegt, kann das Ganze aber immerhin noch etwas eindämmen.

Das Wichtigste ist demnach die Bevölkerung zu informieren, denn es geht erstens darum symptomatische Fälle schnell zu identifizieren und zweitens deren Kontakte ausfindig zu machen.

Noch wertvoller ist es, wenn Personen mit Symptomen gleich ZU HAUSE BLEIBEN, unabhängig davon, ob man dann schlussendlich an COVID erkrankt ist oder nicht.

Prävention nennt man so etwas.

Aus diesem Grund sollte man erkältet nicht zur Schule oder Arbeit gehen und ich verstehe nicht, weshalb darauf nicht explizit hingewiesen und geworben wird, denn hierfür müssen wir erst die richtige Einstellung in die Köpfe der Leute hineinkriegen.

Sonst wird es nicht funktionieren.

P.S.: Beim Kontakt-Tracing schafft man es innerhalb von kurzer Zeit das R0 auf fast Null herunter zu drücken und zwar dort wo es gebraucht wird. Deshalb funktioniert es auch. Das von mir kritisierte Mittelwertsdenken versucht selbiges für eine Population und dies geht nur im Mittelwertsfall gut, den es leider nicht geben wird.

P.P.S.: Achtet auch auf die Größenordnung. Ist man schnell, dann ist die Erkrankungswelle im Beispiel auf 60.000 Personen begrenzt, was aber auch zur Isolation von einer Million Menschen führen kann.

Ist man langsam, dann funktioniert alles nur auf dem Papier, denn es würden sich im Beispiel 8 Millionen Erkrankte ansammeln und dann kann man ganz Italien zusperren.

25.02.2020

jetzt ist es soweit: das CoronaVirus (COVID-19) ist offiziell in Südtirol angekommen und landesweit breiten sich Verunsicherung und Angst aus.

Damit ein bisschen Licht ins Dunkel kommt folgen anbei ein paar nützliche Tipps von Dr. Markus Falk:

Frage: Was passiert, wenn ich an COVID-19 erkranke?
Antwort: COVID-19 ist ein viraler Infekt, der sich hauptsächlich auf die Atemwege auswirkt und demzufolge wird man genauso darunter „leiden“ wie dies bei anderen Atemwegsinfekten der Fall ist. Die meisten werden dies schadlos überstehen, bei einigen kann der Verlauf aber auch hartnäckiger sein. Nach ein bis zwei Wochen sollte der Spuk jedenfalls vorüber sein.
Dein Arzt kann dir im Erkrankungsfall beistehen und er wird dir beispielsweise auch anraten, dass man das Fieber nicht „abwürgen“ soll.
Im Erkrankungsfall ist es aber ganz wichtig, dass man die anderen informiert. Sag in der Arbeit was los ist und informiere deine Freunde, deine Bekannten und natürlich auch deine Familie. Je früher jemand gewarnt ist, desto besser.

Frage: Soll man zu Hause bleiben, wenn man erkältet ist?
Antwort: Ja, ja und nochmals ja.
Auch wenn man vermutlich nicht an COVID-19 erkrankt ist, soll man zuhause bleiben. Es ist damit sichergestellt, dass die Gemeinschaft nicht unnötig „gefährdet“ wird. Zudem erspart man sich selbst sehr viel Stress. Bereits jetzt gibt es hässliche Blicke, wenn man hustet.

Frage: Kann man sich gegen COVID-19 schützen?
Antwort: Wäre eine Ansteckung leicht vermeidbar, dann gäbe es keine Viren mehr. Man kann das Risiko somit lediglich reduzieren, jedoch nicht gänzlich ausschließen. Die angeratenen Hygienemaßnahmen sind eher eine Art Placebo und weniger eine Garantie dafür, dass nichts passieren wird.
Viel wichtiger als die Hygienemaßnahmen, ist die Schärfung des Bewusstseins dafür, dass jeder von uns zum Überträger werden kann und diesbezüglich in der Verantwortung steht.

Ärgere dich nicht, sondern bereite dich vor!